Tag 41/42 – Angekommen. Der letzte Schritt auf dem GR11.
- jy-s89
- vor 7 Tagen
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Geschafft.
Ich habe den GR11 tatsächlich bis zum Ende geschafft. Und während ich diese Zeilen schreibe, weiß ich ehrlich gesagt noch gar nicht so richtig, was ich fühlen soll.
Eigentlich wäre jetzt längst Schlafenszeit. Sieben Wochen lang bedeutete das: gegen 21 Uhr ins Bett, morgens um 5 Uhr wieder raus. Stattdessen sitze ich hier, schaue auf meinen Rucksack und versuche zu begreifen, dass ich ihn morgen nicht mehr schultern muss.
Die letzten beiden Tage hatten es noch einmal in sich. Gestern standen fast 29 Kilometer und rund 1.800 Höhenmeter auf dem Programm. Die ersten Kilometer führten über einen wunderschönen alternativen Weg entlang des Flusses – einer dieser Abschnitte, bei denen man einfach nur stehen bleiben und staunen möchte. Doch danach zeigte der GR11 noch einmal sein wahres Gesicht: steil bergauf, schweißtreibend und gnadenlos.
Wir drei hatten irgendwann gehofft, dass es zum Ende hin vielleicht etwas flacher und einfacher werden würde. Weit gefehlt. Der GR11 hat uns bis auf den allerletzten Meter gezeigt, wer hier das Sagen hat. Dieser Weg kennt keine Gnade. Und genau das macht ihn aus. Kilometer und Höhenmeter sagen auf einer Karte nur wenig aus – erst wenn man selbst dort unterwegs ist, versteht man, was diese Berge wirklich verlangen.
Heute war das Ziel endlich erreicht.
Und plötzlich war alles vorbei.
Körperlich bin ich komplett durch. Jeder Muskel meldet sich, geradeaus laufen fühlt sich ungewohnt an und ohne Rucksack aus der Unterkunft zu gehen, war heute Morgen fast schon absurd. Wir mussten ständig grinsen und lachen. Sieben Wochen lang war der Ablauf immer derselbe: früh aufstehen, packen, Wasser auffüllen und los. Auf einmal fehlt genau das.
Natürlich haben wir den Abschluss gemeinsam gefeiert – mit gutem Essen und ganz viel Lachen. Es tat gut, diesen Moment miteinander zu teilen.
Ich bin unglaublich glücklich, dass ich bis hierher gegangen bin. Nicht nur wegen des Ziels, sondern weil ich an den schweren Tagen nicht aufgegeben habe. Es gab Momente, in denen ich ernsthaft darüber nachgedacht habe, die Tour abzubrechen. Heute weiß ich: Für meinen Kopf, für mein Herz und für mich selbst war es genau richtig, weiterzugehen. Das gibt mir ein Gefühl von Zufriedenheit, das sich kaum beschreiben lässt.
Was mich auf dieser Reise vielleicht am meisten berührt hat, waren die Menschen.
In den Refugios saßen Menschen aus Spanien, Deutschland, Tschechien, Australien, Namibia und vielen anderen Ländern gemeinsam an einem Tisch. Wir teilten Suppe, Brot, Geschichten und Erfahrungen. Niemand fragte nach Politik, Herkunft oder irgendwelchen Unterschieden. Man fragte: "Wo kommst du her?" "Wie war dein Tag?" "Wie viele Kilometer hast du noch?"
In einer Welt, die sich oft laut, wütend und gespalten anfühlt, war das für mich ein wunderschöner Gegenentwurf. Mein Glaube an die Menschen ist auf dieser Reise tatsächlich ein Stück gewachsen. Es gibt so viele Menschen, die einfach friedlich miteinander leben, lachen und ihren Weg gehen möchten.
Der GR11 macht einen kaputt.
Aber genau dieser Weg bringt einen an Orte, die man auf keine andere Art erreichen kann. Täler, in denen kilometerweit nichts außer einem schmalen Pfad existiert. Gipfel, auf denen man einfach nur schweigend steht und begreift, wie klein man eigentlich ist. Landschaften, die kein Auto, keine Straße und kein Hotel erschließen können. Wer sie sehen will, muss sie sich Schritt für Schritt verdienen.
Vielleicht ist genau das das Besondere.
Ich weiß, dass ich angekommen bin. Ich weiß, dass mein Wanderführer zu Ende gelesen ist. Aber verstanden habe ich diese Reise noch lange nicht. Ich glaube, dafür brauche ich Zeit.
Gerade schaue ich meinen Rucksack an. Sieben Wochen lang war er mein täglicher Begleiter. Jeden Morgen wurde er gepackt, organisiert, Wasser nachgefüllt und dann wieder auf den Rücken gehoben. Irgendwie ist er ein Teil meines Alltags geworden. Morgen werde ich ihn reisefertig machen. Und dann bleibt er erst einmal zu.
Auch das fühlt sich seltsam an.
Was bleibt, ist vor allem Dankbarkeit.
Dankbar für sieben Wochen, in denen ich jeden Tag draußen sein durfte. Dankbar für jede Anstrengung, für jeden Gipfel, jedes Tal, jede Begegnung und jeden einzelnen Schritt.
Und natürlich freue ich mich jetzt auch darauf, wieder nach Hause zu kommen. Darauf, die Menschen wiederzusehen, die mir fehlen. Vor allem darauf, meinen Lieblingsmenschen endlich wieder in die Arme zu schließen.
Der GR11 ist zu Ende.
Aber ich glaube, ein Teil von mir wird noch sehr lange dort oben in den Pyrenäen unterwegs sein.






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