Tag 40.Alleine unterwegs
- jy-s89
- 12. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Jetzt sind es tatsächlich nur noch zwei Etappen bis zum Ziel. Allein dieser Gedanke löst ganz seltsame Gefühle in mir aus. Nach fast 770 Kilometern ist das Ende plötzlich zum Greifen nah – und irgendwie fühlt sich das ziemlich komisch an.
Heute ging es von La Vajol nach Requesens. Die Strecke hatte es wirklich in sich. Erst einmal führte der Weg gefühlt nur bergab. Die erste Hälfte der knapp 18 Kilometer war angenehm zu laufen. Doch dann zeigte der Weg noch einmal, wer das Sagen hat. Ab da ging es praktisch nur noch bergauf – rund 700 Höhenmeter am Stück. Teilweise kam es einem fast senkrecht vor. Oben angekommen war ich komplett ausgepumpt.
Zur Belohnung gab es erst einmal zwei Quetschies, einen Joghurt, eine Banane und eine Birne. Ich habe mich einfach hingesetzt, in die Landschaft geschaut und langsam wieder zu Kräften gefunden. Und dann dieser Moment: Zum ersten Mal konnte ich in der Ferne schon das Meer erahnen. Morgen auf den letzten Kilometern werde ich es wahrscheinlich richtig sehen. Das war ein ganz besonderer Augenblick.
Heute Nacht schlafe ich wieder an einem außergewöhnlichen Ort. Es ist eine alte Herberge beziehungsweise ein ehemaliges Kolonienhaus. Ich habe meine Sachen zum Trocknen über eine alte Steinbank gelegt, mich selbst daneben gesetzt und einfach nur die Ruhe genossen. Nach dem langen Anstieg war ich wirklich komplett erledigt.
Ein kleiner Kulturschock gehörte heute auch dazu. Zum ersten Mal seit langer Zeit führte der Weg wieder in die Nähe einer Autobahn. Schon Kilometer vorher hörte man das Rauschen der Autos tief durch den Wald. Wir mussten sogar unter mehreren Brücken hindurch. Nach so vielen Tagen in der Natur war dieser Lärm richtig unangenehm. Umso schöner war es, wieder abzubiegen und zurück in die Ruhe der Berge zu kommen – auch wenn dort die 700 Höhenmeter auf mich warteten.
Für morgen haben wir uns etwas Schönes vorgenommen. Obwohl ich heute alleine unterwegs war, treffen wir uns morgen Nachmittag wieder: Manolo, Raymond, Danja, Klara und ich. Gemeinsam wollen wir die letzte, etwa 31 Kilometer lange Etappe bewältigen. Ganz egal, ob wir dafür acht oder zehn Stunden brauchen.
Wenn wir angekommen sind, möchten wir erst einmal etwas trinken und anschließend in einem frei zugänglichen Schwimmbad baden gehen. Genau so wollen wir das Ende dieses großen Abenteuers feiern.
Wie es sich anfühlt, dass der Weg bald vorbei ist? Ehrlich gesagt weiß ich das selbst noch nicht. Einerseits freue ich mich natürlich. Andererseits macht es mich auch traurig. Nach fast 770 Kilometern wird dieser Weg, der so lange mein Alltag war, plötzlich zu Ende sein.
Morgen wartet die letzte große Herausforderung. Und dann… ist das Ziel erreicht.






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