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Tag 38.Die Pyrenäen verändern ihr Gesicht

Heute ging es für mich von Beget nach Sant Aniol d'Aguja. Mit rund 16 Kilometern war die Etappe vergleichsweise kurz – zumindest auf dem Papier. Etwa 600 Höhenmeter bergauf und knapp 700 Höhenmeter bergab standen auf dem Programm. Eigentlich nichts Außergewöhnliches für den GR11.

Das Besondere heute war allerdings der lange Abstieg. Über viele Kilometer führte der Weg durch eine enge Schlucht, meist direkt an den steilen Felswänden entlang. Immer wieder verlief der Pfad ausgesetzt oberhalb des Flusses. Konzentration war also gefragt, aber gleichzeitig war die Landschaft einfach wunderschön. Diese wilden Schluchten haben ihren ganz eigenen Charme und unterscheiden sich deutlich von den hohen Gipfeln der vergangenen Wochen.

Am Ziel angekommen erwartete mich ein ganz besonderer Ort. Direkt neben einer alten Kirche aus dem 7. Jahrhundert befindet sich das Refugio, in dem ich heute übernachte. Das Gebäude wurde über mehrere Jahre liebevoll restauriert und ist wirklich gelungen. Es ist ein kleiner, ruhiger Ort mit einer ganz besonderen Atmosphäre – perfekt, um nach der heutigen Etappe zur Ruhe zu kommen.

Mit dieser Etappe endet auch ein eher ruhiger Abschnitt meiner Tour. Morgen stehen noch einmal etwa 16 Kilometer an, bevor es anschließend wieder richtig zur Sache geht. Dann wartet eine lange Etappe mit knapp 29 Kilometern auf mich – und dass bei Temperaturen von bis zu 36 Grad. Das wird sicherlich noch einmal eine echte Herausforderung.

Auffällig ist außerdem, wie sehr sich die Landschaft inzwischen verändert hat. Die typischen Fichten- und Tannenwälder der Hochpyrenäen sind inzwischen verschwunden. Stattdessen wandere ich nun durch dichte Laubwälder und ausgedehnte Korkeichenwälder. Auch die Geräuschkulisse hat sich verändert: Statt der Stille der Hochalpen begleiten mich nun überall die lauten Zikaden. Dieses typische mediterrane Zirpen gehört inzwischen den ganzen Tag dazu und zeigt deutlich, dass ich den östlichen Ausläufern der Pyrenäen immer näherkomme.

Ich merke, wie sich die Reise langsam ihrem Ende nähert. Die Berge sehen anders aus, die Vegetation verändert sich, das Klima wird heißer – und jeder Tag bringt mich ein Stück näher ans Mittelmeer.

Für heute bin ich einfach nur müde, aber zufrieden. Morgen geht es weiter. Schritt für Schritt, wie jeden Tag.


 
 
 

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